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Akustikon

Von Juni 2009 bis Juni 2010 betrieb Hörstadt mit großem Erfolg das Akustikon. Die im ehemaligen Wohnhaus des Komponisten Anton Bruckner in der Pfarrgasse 9-13 in der Linzer Altstadt gelegene Welt des Hörens war Klangmuseum, Schule des Hörens und Veranstaltungsort in einem. Auf knapp 300 Quadratmetern Gesamtfläche bot das Akustikon einen Salon, verschiedene "Auditons" genannte Hörstationen sowie Vermittlungsprogramme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Trotz schnell erreichter internationaler Reputation und großer Beliebtheit musste das Haus nach nur einjährigem Betrieb aufgrund mangender Unterstützung durch die öffentliche Hand wieder schließen. Über 14.000 Menschen besuchten die Welt des Hörens.

Die Polyphone

Der ganze Stolz des Hauses waren die beiden Polyphone – von Peter Androsch erdachte Hörorte unerhörter Klänge. Die akustischen Wunderkästen waren Meisterstücke sowohl der Möbelbaukunst als auch avancierter Tontechnik. Jede einzelne Schublade beherbergte einen bestimmten Klang. Wer sie öffnete, erweckte ihn zum Leben.

Polyphon I – HARMONIA MUNDI

Wie ein riesenhafter alchemistischer Apothekerschrank zeigte sich das Polyphon I mit seinen 672 Schubladen. Gefüllt mit ebensolcher Anzahl von Klängen aus dem Weltall – 672 Pulsare – trug es den Namen „Harmonia Mundi“ nach dem Hauptwerk des Astronomen und Mathematikers Johannes Kepler (Harmonices Mundi, 1619). Kepler beschäftigte sich in seinem fünf Abschnitte umfassenden Werk unter anderem mit harmonischen Zusammenhängen in der Musik und Astrologie sowie den harmonischen Bewegungen der Planeten.
Pulsare sind sich um sich selbst drehende zusammengestürzte Kerne explodierter Sterne. Obwohl ihr Gewicht so groß ist wie das der Sonne, haben sie nur die Dimension einer Stadt mit einem Durchmesser von 20 km (was ungefähr der Nord-Süd-Ausdehnung von Linz entspricht). Im Durchschnitt drehen sie sich einmal pro Sekunde. Von ihren magnetischen Nord- und Südpolen gehen Strahlen aus. Dreht sich der Pulsar, fegen diese Strahlen durch das Weltall und bewegen sich durch unsere Sichtachse. So gewinnen wir den Eindruck eines kosmischen Leuchtturmes.
Der britische Astronom Tim O'Brien (Universität Manchester) erforscht die Pulsare und hat ein Verfahren entwickelt, ihre Bewegung in Klänge zu übersetzen. 672 Pulsarklänge waren im Polyhon I zu hören.

Polyphon II – VERBOTENE KLÄNGE

Das von Karin Wagner und Norbert Trawöger kuratierte Polyphon II – Verbotene Klänge ließ Musik ertönen, deren  Schöpfer in unterschiedlichen Zeiten und Geographien unter „vielgesichtigen“ Diktaturen oder Regimen aus rassistischen, politischen, religiösen oder ästhetischen Motiven gebrandmarkt, abgedrängt, unterdrückt, verboten und verfolgt waren und sind. In den 128 Schubladen waren zahlreiche Kompositionen jüdischer und linker Musiker und Komponisten abgelegt, die während der NS-Zeit vertrieben und verfolgt wurden. Ebenso gab es aber viel ältere (z.B. Couplets aus der Ära der bürgerlichen Revolution von 1848) und neuere Stücke (wie einen gegen das Mugabe-Regime in Simbabwe gerichteten Rap des jungen Musikers Comrade Fatso, der das Akustikon selbst besuchte) zu hören.

Hörerlebnisse und Exponate

Sinnliche Wirklichkeit wurde das Abenteuer Hören außer in den beiden Polyphonen in den Auditons
genannten Hörstationen sowie der Hörkammer mit den Mündungen der ins Akustikion führenden Hörrohre.
Eine der Hörstadt gewidmete kleine Ausstellung, eine Bibliothek und das Memorabilion mit akustischen Souvernirs ergänzen das Gebotene.

Hörrohre

Vom Linzer Hauptplatz, vom Pfarrplatz und vom Himmel über dem Dach führten drei überdimensionale Hörrohre entlang der barocken Fassaden ins Akustikon, wo die weit entfernt aufgefangene urbane Geräuschkulisse in einer eigenen Hörkammer gegenwärtig wurden. Mit der Hörbarkeit der Stadt im Akustikon ging umgekehrt die Sichtbarkeit des Akustikon in der Stadt einher – eine reizvolle Wechselwirkung.

Audition Labor

Die Grundlagen der Akustik mit ihren physikalischen Gesetzmäßigkeiten stehen nicht nur auf Papier, - im Auditon Labor waren sie hörbar und erlebbar.

Auditon Hörverlust

Von der Hörlust zum Hörverlust: hier wurden die verschiedenen Beeinträchtigungsstufen des Hörvermögens simuliert, die auch von tief im Ohr sitzenden Ohrhörern herrühren können.

Auditon Reflexion


Mit einem Joystick konnten die BesucherInnen einen Speziallautsprecher auf die unterschiedlichsten Materialien wie Beton, Glas oder Stoff ausrichten. So wurde klar, weshalb uns Bauen und Verkehr zutiefst akustisch (be)treffen: durch Reflexion.

Auditon Schallraum

Gerade und glatte Wände, meist noch parallel, werfen Schallwellen wie einen Ball durch den Raum. Dabei entstehen unangenehme, sogar beklemmende Wirklichkeiten. Ein Effekt, der dem brausenden Verkehrslärms zwischen den Häuserfronten verdächtig ähnelt.

Auditon Schallrohre

Form, Material und Dimension erzeugten unterschiedlichste, teilweise kurios und unheimlich anmutende Klangerlebnisse, wie sie in unserer gebauten Umgebung, aber auch hin und wieder in der Natur, beispielsweise in Höhlen, vorkommen.

Auditon Schallraum

Gerade und glatte Wände, meist noch parallel, werfen Schallwellen wie einen Ball durch den Raum. Dabei entstehen unangenehme, sogar beklemmende Wirklichkeiten. Ein Effekt, der dem brausenden Verkehrslärms zwischen den Häuserfronten verdächtig ähnelt.

Auditon Schallzylinder

Die Veränderung des Standortes verändert auch die Schalldynamik und damit auch die Wahrnehmungs- bzw. Orientierungsqualität. Ein begehbarer – innen glatter – Zylinder machte  dieses Phänomen besonders deutlich.

Auditon Black Box

Das Ersterben aller Geräusche führt keineswegs zur von vielen ersehnten Stille. Der schalltote Raum erzeugt ein Gefühl der Bedrängnis, weil uns Orientierungs- und Gleichtgewichtsgefühl entschwinden.

Memorabilion

Das Memorabilion war quasi der Museumsshop des Akustikon. Es bot Souvenirs, die helfen, den akustischen Raum zu verstehen, zu vermessen und zu gestalten. Vom handlichen Lautstärken-Messgerät bis zum Hör-Memory für Kinder war Alles für das wiederentdeckte Hören dabei.

Auditon Hörverlust

Von der Hörlust zum Hörverlust: hier wurden die verschiedenen Beeinträchtigungsstufen des Hörvermögens simuliert, die auch von tief im Ohr sitzenden Ohrhörern herrühren können.

Hörstadt-Ausstellung und Bibliothek

Den Grundlagen und Aktivitäten von Hörstadt war eine kleine Ausstellung im Akustikon gewidmet. Eine kleine, aber konzise Präsenzbibliothek (kein Verleih) stanf Interessierten während der
Öffnungszeiten gerne zur Verfügung. Der Ausstellungs- und Bibliotheksraum diente auch zu Aufenthalt und Entspannung sowie punktuell als Ort von Veranstaltungen.

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