Viel Lärm(schutz) um nichts
Das 1. Internationale Hörstadt-Symposion in Linz warf von 21. bis 22. Juni 2010 die Frage auf, welche neuen oder vielleicht schon vergessenen Zugänge und Umgänge mit dem Lärm denkbar, zukunftsträchtig und möglich sind. Dem Symposion ging der unter gleichem Titel ausgeschriebene Hörstadt-Essaywettbewerb voraus. Sieger des mit 3.500,- Euro dotierten Wettbewerbs 2010 ist der Berliner Architekt und Musiker Olaf Schäfer mit dem Beitrag "Zum Schutz, zur Freiheit".
Der „höllische Lärm“ gilt als die Lebensqualität mindernde Geißel unserer Zivilsation schlechthin, während die ersehnte „himmlische Ruhe“ an vielen Orten zum Luxusgut geworden ist. Schon diese Formulierungen zeugen vom manichäischen Umgang der Gesellschaft mit dem Lärm, den zwar alle fürchten, aber u.a. durch das gegenwärtig übliche Mobilititätsverhalten unablässig aufs Neue selbst erzeugen.
Sujet: Richard Bayer, www.sub-design.net
Mit der etwas provokanten Feststellung "Viel Lärm(schutz) um nichts" im Titel war das 1. Internationale Hörstadt-Symposion Ort der Diskussion künftiger alternativer Zugänge und Umgänge mit dem Lärm.
Zur Eröffnung war mit Zum Schutz, zur Freiheit von Olaf Schäfer der Siegerbeitrag des Essaywettbewerbs 2010 zu hören.
"Wenig bis nichts", war die Antwort von Christian Popp vom Hamburger Lärmkontor, der sich als einer der führenden Lärmschutzexperten Europas der Frage widmete, was in punkto Lärmbekämpfung in den kommenden Jahren von der EU und ihren Mitgliedsländern zu erwarten sei.
Der Schweizer Klangforscher und -gestalter Andres Bosshard beschäftigt sich seit Jahren mit dem akustischen Dickicht der Städte, das er gleichermaßen zu kartografieren wie auch in Form den Umgebungsklang subtil modulierender Soundinstallationen punktuell zu lichten versteht. In Linz berichtete er von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen mit lärmtherapeutischen Klangakupunkturen im öffentlichen Raum.
Andreas Stoffels, als Hörgerätespezialist mit allen pyhsiologischen und neurologischen Facetten des Hörens, beschäftigte sich unter dem Titel "Die kulturelle Dimension des Lärmhörens" mit den Grundlagen der Lärmwahrnehmung.
Der Akustiker Wolfgang Gratt präsentierte gemeinsam mit dem Raumplaner Gerhard Lueger die Ergebnisse der Studie "Urban Vision Linz" zur Halbierung des Verkehrslärms durch ein neues Mobilitätskonzept.
Der Akustiker Wolfgang Gratt präsentierte gemeinsam mit dem Raumplaner Gerhard Lueger die Ergebnisse der Studie "Urban Vision Linz" zur Halbierung des Verkehrslärms durch ein neues Mobilitätskonzept.
Lärm: Schlacht gewonnen, Krieg verloren? war die Frage, der sich ein konfrontativ besetztes Panel – Moderation: Christine Haiden (Chefredakteurin "Welt der Frau")– mit Hörstadt-Initiator Peter Androsch, Helfried Gartner (Lebensministerium) und der Publizistin Sieglinde Geisel („Nur im Weltall ist es wirklich still“) am Dienstag zum Ausklang widmet.
Ein Hörspaziergang entlang der Hörenswürdigkeiten von Linz sowie ein Besuch des Akustikon kurz vor seiner Schließung Ende Juni und eine mit Denoising-Tools gestaltete Performance von Richard Eigner rundeten das Programm ab.
Ein Hörspaziergang entlang der Hörenswürdigkeiten von Linz sowie ein Besuch des Akustikon kurz vor seiner Schließung Ende Juni und eine mit Denoising-Tools gestaltete Performance von Richard Eigner rundeten das Programm ab.
Hör- und Schauplatz des Symposions war Hotel am Domplatz.
Das 2. Internationale Hörstadt-Symposion findet am 20. und 21. Juni 2011 statt.
Das 2. Internationale Hörstadt-Symposion findet am 20. und 21. Juni 2011 statt.

