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Das akustische Manifest

Hörstadt – nomen es omen – ist die Auseinandersetzung mit Hören als politischen Vorgang. Damit sind wir mitten im Thema „Lärm“. Und wo nahm die Verherrlichung des Lärms ihren Ursprung? Am 20. 2. 1909 in Le Figaro mit dem Futuristischen Manifest von Filippo Tommaso Marinetti.

Am 20. Februar 1909 veröffentlichte Filippo Tommaso Marinetti auf der Titelseite von Le Figaro das Futuristische Manifest: „Wir erklären, dass der Glanz der Welt sich um eine neue Schönheit bereichert hat: um die Schönheit der Schnelligkeit. Ein Rennautomobil, dessen Wagenkasten mit großen Rohren bepackt sind, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen, ein heulendes Automobil, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake. ...besingen werden wir die nächtliche, vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden; die gefräßigen Bahnhöfe, die rauchende Schlangen verzehren; die Fabriken, die mit ihren sich hochwindenden Rauchfäden an den Wolken hängen; ...die abenteuersuchenden Dampfer, die den Horizont wittern; die breitbrüstigen Lokomotiven, die auf den Schienen wie riesige, mit Rohren gezäumte Stahlrosse einherstampfen und den gleitenden Flug der Flugzeuge, deren Propeller wie eine Fahne im Winde knattert und Beifall zu klatschen scheint wie eine begeisterte Menge...“ – so fantasiert der italienische Dichter Marinetti in diesem zentralen Dokument europäischer Geistesgeschichte.

Die aggressive Lobeshymne auf Krieg, Lärm und blindwütigen Fortschritt erwies sich im Nachhinein als eine der intellektuellen Grundlagen und Vorbote des Faschismus – nicht umsonst avancierte Marinetti zum Kulturminister des Mussolini-Regimes.

100 Jahre später ist es eine traurige Tatsache, dass die Menschheit an allem leidet, was Marinetti als herrlich imaginierte. Hörstadt nimmt das 100jährige Jubiläum des Futuristischen Manifests als eines der zentralen Dokumente der europäischen Geistesgeschichte zum Anlass, mit dem Akustischen Manifest zu antworten. Es erscheint auf den Tag genau hundert Jahre nach Marinettis Text am 20. Februar 2009 am Originalschauplatz Le Figaro.

„Hier ist radikal zusammengefaßt, was Hörstadt ausmacht: Für eine Politisierung des akustischen Raums, gegen die permanente Entwürdigung und Manipulation des Menschen durch Zwangsbeschallung, die akustische Bewusstlosigkeit von Architektur, Raum- und Stadtplanung sowie die Verlärmung unserer Welt", sagt Autor Peter Androsch. Außer in Le Figaro erscheint das Akustische Manifest in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie in Der Standard.

Das Akustische Manifest existiert auch in gesprochener Fassung: In Deutsch von der Schauspielerin Maxi Blaha, in Englisch von Jean Mason und in Französisch von Robert Stephane gesprochen.

Das Akustische Manifest im Wortlaut

Le Manifeste Acoustique

The Acoustic Manifesto

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