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Hörstadt ist ein im Rahmen von Linz 2009 initiiertes und auch nach Ablauf des Kulturhauptstadtjahres in Linz fortgesetztes Vorhaben, das sich seit November 2008 für eine bewusste und menschenwürdige Gestaltung unserer hörbaren Umwelt einsetzt.

Hörstadt umfasst Beschallungsfrei – Die Kampagne gegen Zwangsbeschallung, die von Akustikon, ÖGB, GPA-djp sowie Katholische Kirche in Oberösterreich/City Pastoral gemeinsam getragen wird; sowie die mit der Stadt Linz entwickelte Linzer Charta als Leitlinie für Stadtgestaltung in akustischem Sinne. das Akustikon als Welt des Hörens im Zentrum von Linz war das dritte Kernelement von Hörstadt. Aufgrund mangelnder Unterstützung durch Stadt Linz und Land Oberösterreich musste es Ende Juni 2010 nach nur einjährigem Bestehen geschlossen werden.

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Aufgrund mangelnder Unterstützung von Stadt Linz und Land Oberösterreich musste das beliebte und viel besuchte
Akustikon in der Pfarrgasse 9–13 Ende Juni 2010 schließen. Montag, 28. Juni 2010 war der letzte Öffnungstag.

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Hörstadt lädt alle Unternehmen und Organisationen, die bewusst auf Hintergrundmusik verzichten, ein, ihre öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten als Beschallungsfrei zu kennzeichnen. Dafür gibt es den Aufkleber „Beschallungsfrei – Zone ohne Hintergrundmusik“. Zu den Unternehmen und Organisationen, die sich als „beschallungsfrei“ deklariert haben: Das Parlament der Republik Österreich, Stadt Linz, Land Oberösterreich, Arbeiterkammer OÖ, Bank Austria, Thalia Buch & Medien u.v.a.m.
Menschen wie Reinhold Messner, Franz Welser-Möst, Dennis Russel Davies, Anton Zeilinger, Herbert Tumpel, Elmar Altvater, Hans Platzgumer und Rocko Schamoni unterstützen die Aktion.

Interesse? Kostenlose Aufkleber, Infofolder und Rote Karten gegen Zwangsbeschallung unter info@beschallungsfrei.at oder +43 (0)732 / 78 13 24 30 bei Hörstadt, Pfarrgasse 9-13, 4020 Linz anfordern!

Akustikon-Nachlese im ZDF

Eine Gelegenheit, das Akustikon posthum kennenzulernen, bietet eine ausführliche TV-Reportage von Gert Anhalt, die am 17. Juli 2010 im Infokanal des ZDF ausgestrahlt wurde. Der im Rahmen einer Reise durch Österreich und Südtirol entstandene knapp 15minütige Beitrag u.a. über Hörstadt ist in der Mediathek des ZDF auch online zu sehen.

Abschied vom Akustikon am 30.6.

Nach der Entscheidung von Stadt Linz und Land Oberösterreich, die Finanzierung von Hörstadt einzustellen, hieß es am 30. Juni 2010 vom Akustikon Abschied nehmen. Im Zuge einer von der Werbeagentur Haslinger, Keck unentgeltlich entwickelten Kampagne wurden frühmorgens 900 Schilder mit dem Text "Ab heute Ruhetag" in der Linzer Altstadt verteilt; aus dem Hörstadt-Büro hing hauptplatzseitig eine schwarze Fahne. Das Akustikon selbst präsentierte sich mit großer "Ab heute Ruhetag"-Beschriftung auf der Fassade. Im Kulturteil der Oberösterreichischen Nachrichten erschien eine Traueranzeige.
In Form eines großen, schwarz verhängten Hörrohrs wurde das Hörmuseum von 10.00 bis 18.00 Uhr auf dem Hauptplatz aufgebahrt. Zahlreiche Menschen nutzten die Gelegenheit, sich zu verabschieden und sich in das aufgelegte Kondolenzbuch einzutragen.
Von Pressefotografen, Journalisten und einem ORF-Kamerateam begleitet marschierte ein kleiner Trauerzug am Vormittag in das Alte Rathaus und das Landhaus, um den verantwortlichen Politikern symbolisch die Schlüssel zum Akustikon zu retournieren und Auszüge aus den zahlreichen eingetroffenen Solidaritäts- und Unmutsbekundungen zu überreichen.

Stadt Linz und Land Oberösterreich stellen Förderung ein – Akustikon schließt

Die Stadt Linz und das Land Oberösterreich haben beschlossen, die Arbeit von Hörstadt ab 1. Juli 2010 nicht mehr mit öffentlichen Geldern zu fördern. Das hat schwerwiegende Konsequenzen wie die Schließung des Akustikon, Welt des Hörens in der Pfarrgasse 9-13. In seinem nur einjährigen Bestehen haben 16.000 Menschen das Haus besucht, das sich darüber hinaus zu einem Fixpunkt für Kindergärten und Schulen entwickelt hat. Ein speziell auf die Bedürfnisse und Interessen von Älteren zugeschnittenes Vermittlungsprogramm ist fertig entwickelt und kann nun nicht mehr angeboten werden.
Die letzte Gelegenheit, das gerade erst neu adaptierte Akustikon zu besuchen, gibt es am Montag, 28. Juni 2010.
Hörstadt wird in anderer Form weiterbestehen.


Wenn Ihnen die Zukunft von Hörstadt ein Anliegen ist, bitten wir Sie um eine Solidaritätsadresse oder einen Kommentar an zukunft (at) hoerstadt . at

Hörstadt-Symposion 2010: Viel Lärm(schutz) um nichts

Lebhafte Diskussionen vor allem nach der abschließenden Podiumsdiskussion mit der Kulturpublizistin Sieglinde Geisel ("Nur im Weltall ist es wirklich still"), Helfried Gartner (Lebensministerium) und Peter Androsch (Hörstadt) – Moderation: Chefredakteurin Christine Haiden (Welt der Frau) – und Vorträge auf hohem Niveau prägten das 1. Internationale Hörstadt-Symposion "Viel Lärm(schutz) um nichts" am 21. und 22. Juni 2010 im Hotel am Domplatz in Linz:
Ein heterogenes Auditorium aus Raum- und Verkehrsplanern, technischen Akustikern, Baufachleuten und Kreativen lauschte dem Eröffnungsbeitrag "Zum Schutz, zur Freiheit" des Berliner Musikers und Architekten Olaf Schäfer, der mit diesem Text den Hörstadt-Essaywettbewerb gewonnen hatte. Daran schlossen sich ein Rundblick über den Kampf gegen Lärm in der EU des führenden deutschen Lärmschützers Christian Popp und ein stimulierender Vortrag von Andres Bosshard über lärmtherapeutische Klangakupunkturen im öffentlichen Raum an.
Andreas Stoffels erläuterte die physiologischen und psychoakustischen Grundlagen des Lärmhörens; Wolfgang Gratt und Gerhard Lueger präsentierten die 2009 von Hörstadt in Auftrag gegebene Studie "Urban Vision Linz" zur möglichen Halbierung des Umgebungslärms durch ein neues Mobilitätskonzept am Beispiel Linz.
Das 2. Internationale Hörstadt-Symposion findet am 20. und 21. Juni 2011 in Linz statt.

Olaf Schäfer gewinnt Hörstadt-Essaywettbewerb

Der Berliner Architekt und Musiker Olaf Schäfer ist mit seinem Text "Zum Schutz, zur Freiheit" Preisträger des Hörstadt-Essaywettbewerbs Viel Lärm(schutz) um nichts. Metrophonie ist das Schlüsselwort für Schäfers Stadtklangs-Phänomenologie, die er auf seiner an akustischen Beobachtungen und Ideen in Form hörorientierter Streifzüge durch Berlin überaus reichen Website verfolgt.
"Lärm ist nicht nur Klang, sondern mehr noch eine gesellschaftliche Konstruktion, die mitten hineinführt in das Dilemma schon immerwährender Lärmproblematik. Lärm ist insofern Auskunft zu einer Qualität des Verhältnisses zwischen den Menschen, Einzelnen und Gruppen, und den Klängen die sie umgeben", heißt es in Schäfers von der Hörstadt-Jury ausgezeichnetem Essay Zum Schutz, zur Freiheit.
Einen Weg, den Lärm hinter sich zu lassen, sieht der Autor nicht in einem einzelnen, geschlossenen und großen Entwurf, sondern in klanggestalterischer Arbeit der einzelnen StadtbewohnerInnen. Dazu braucht es noch die Entwicklung des passenden Instrumentarium etwa in Form interaktiver Lärmschutzwände.
"Die Gestaltung der Aural Architecture muss demgemäß als ein kollektives Projekt begriffen werden, immer noch wurzelnd im Phonotop, in unserer anthropogenen Klanginsel. Es ist der Bau einer großen Kathedrale, nur dass die räumliche Struktur nicht die eines homogenen Einraums ist, sondern ein weit verzweigt wabernder und pulsierender Organismus, der erst aus der Summe seiner Schwingungen seinen Grundton erhält."

Hörstadt im Europäischen Parlament

Mit großem Erfolg konnte sich Hörstadt, die Linzer Initiative für einen menschengerechten akustischen Raumvon Montag, 7. bis Donnerstag, 10. Juni im Europäischen Parlament in Brüssel präsentieren. Rund 150 BesucherInnen – Abgeordnete mit ihren MitarbeiterInnen sowie Parlamentspersonal und eine Gruppe junger österreichischer Blogger – folgten der Einladung von Gastgeberin Eva Lichtenberger (Grüne), die gemeinsam mit Hörstadt zur Eröffnung am Dienstagabend geladen hatte.
Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer ließ es sich anderntags nicht nehmen, die Präsentation im Zuge  eines Brüssel-Aufenthaltes ebenfalls zu besuchen.
Blickfang der Ausstellung war ein über 5 Meter langes überdimensionales Hörrohr aus Metall; ein Video sowie Schautafeln informierten über die Ziele und Aktivitäten der Linzer Akustik-Initiative, wobei vor allem die Linzer Charta als politisches Dokument zu einem neuen Umgang mit der hörbaren Umwelt und die gegen die Zwangsbeschallung mit Hintergrundmusik gerichtete Kampagne Beschallungsfrei auf besonderes Interesse stießen.

Ruhepol Mariendom wiedereröffnet

Seit 3. Juni steht die Tür des Ruhepol Mariendom wieder allen offen, die sich eine akustische Auszeit nehmen und dabei das nur hier sichtbare Lichtspiel des großen Rosettenfensters verfolgen möchten. Bis 26. Oktober betreibt die Pfarre Mariendom mit Hörstadt wieder die überkonfessionelle und allgemein zugänglichen Ruhezone in der Turmhalle des Mariendoms.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, jewels 12.00 bis 19.00 Uhr.
Montag geschlossen. Eintritt frei.

Comrade Fatso besucht Polyphon II

Comrade Fatso zählt zur kleinen Zahl zeitgenössischer und lebender Musikschaffenden, die im Polyphon II Verbotener Klänge mit einer beispielhaften Arbeit vertreten sind. Zu Pfingsten 2010 war der aus Simbabwe stammende junge Rapper mit seiner Band beim Kulturfestival LinzFest zu Gast. Er nutzte seinen Auftritt in Linz auch, um "seine" Schublade im Polyphon II kennenzulernen, in der ein Rap von Comrade Fatso aufbewahrt ist, und das Akustikon zu besuchen.
Peter Kuthan von der ARGE Simbabwe-Freundschaft, Polyphon II-Kuratorin Karin Wagner und Peter Androsch (Hörstadt) sowie Wolfgang Dorninger als Musikerkollege und Gestalter einer Installation im Akustikon empfingen den vom simbabwesischen Diktators Robert Mugabe politisch verfolgten Musiker, der derzeit im Exil lebt und dessen regimekritischen Raps in seinem Heimatland der Zensur zum Opfer gefallen sind.

Beschallungsfrei im ZDF-Auslandsjournal

Durch die Lektüre von Sieglinde Geisels jüngstem Hör-Buch "Nur im Weltall ist es wirklich still", in dem sie auch Hörstadt und Beschallungsfrei vorstellt, wurde ZDF-Journalist Gert Anhalt auf uns aufmerksam und besuchte uns Anfang April in Linz. Für eine Reihe des ZDF-Auslandsjournals, in der "sinnvolle Ideen" präsentiert werden, drehte er einen kurzen Beitrag über das Anliegen der Kampagne gegen Zwangsbeschallung mit Hintergrundmusik.
Am Tag gegen Lärm 2010, dem 28. April, wurde der Beitrag im Zuge einer Schwerpunktsendung über XXL-Städte gesendet.
Der komplette Sendung ist in der ZDF-Mediathek online abrufbar, der Beitrag über Beschallungsfrei beginnt bei Minute 43:00.

Hintergrundmusik: Schwerhörige rufen Behindertenanwalt

In einer gemeinsamen Aktion mit der Schwerhörigen-Selbsthilfeinitiative Von Ohr zu Ohr hat Hörstadt-Vertreter Peter Androsch zum Tag gegen Lärm Dr. Erwin Buchinger als Behindertenanwalt der Republik einige beispielhafte Anträge auf die Einleitung von Schlichtungsverfahren wegen  Diskriminierung Hörbehinderter übergeben.
Im Visier der Hörbehinderten stehen österreichweit präsente Unternehmen auch aus dem Medienbereich, die Hintergrundmusik flächendeckend und systematisch einsetzen: Unter anderem Billa, Bipa, H&M, Kika, Libro, Merkur, New Yorker, Peek & Cloppenburg, Saturn sowie Ö3 und ATV wegen der Unkenntlichmachung von Wetter- bzw. Verkehrsnachrichten durch Hintergrundmusik.
"Die Zwangsbeschallung mit Hintergrundmusik in Supermärkten und anderswo ist eine Diskriminierung Hörbehinderter, die Menschen mit beeinträchtigem Hörvermögen in ihrem Recht auf sprachliche Kommunikation verletzt", erklärt Hörstadt-Initiator Peter Androsch, selbst auf einem Ohr beeinträchtigt.
Angelika Nebl, Obfrau des Vereins Von Ohr zu Ohr, erläutert: "Grundsätzlich wirkt sich Hintergrundmusik sehr negativ auf die Verarbeitung des Gehörs aus. Durch meine Schwerhörigkeit lassen sich Nutzschall wie Sprache und Störschall wie Hintergrundmusik schlecht trennen. Die für mich nützlichen Informationen wie z.B. den Endbetrag einer Rechnung kann ich trotz der Hörgeräte nicht verstehen."
Nebl und Androsch betonten, dass es bei diesen Musterverfahren um Beispielwirkung und Bewusstseinsbildung gehe. Den Unternehme müsse klar werde, dass sie den Alltag einer großen Bevölkerungsgruppe  durch die Kommunikationsbarriere Zwangsbeschallung weiter erschwere.

Hörstadt bei der IBA Hamburg 2013

Die Internationale Bauausstellung in Deutschland pflegt eine lange Tradition der Sanierung und Neugestaltung von städtischen Problemzonen. Die IBA 2013 in Hamburg hat sich die planerische und bauliche Auseinandersetzung mit der Flussinsel Wilhelmsburg verordnet – ein sozialer Brennpunkt, der von nicht weniger als vier Stadt- und Transitautobahnen durchschnitten wird. Hörstadt ist mit den in Linz gewonnen Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit dem akustischen Raum – von der Erschließung städtischer Hörenswürdigkeiten bis zum Betrieb öffentlicher Ruheräume – eingeladen worden, sich auf akustischem Gebiet an der Wiederaneignung des Stadtviertels durch seine BewohnerInnen einzubringen und wird auf vieles zurückgreifen, was sich in Linz bewährt hat.