Ruhepol Centralkino
Eine Kooperation von Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas mit der SPÖ-OÖ und Die Architektur/Kunstuniversität Linz nach einer Idee von Dr. Peter Payer (Historiker und Stadtforscher).Von 29. November 2008 bis 21. November 2009 war der Ruhepol Centralkino im Haus Landstraße 36 bei freiem Eintritt täglich außer Montag von 12.00 bis 21.00 Uhr geöffnet – ein eigens gestalteter Rückzugsort mitten in der Stadt. Über 27.000 Menschen nahmen sich in diesem Zeitraum eine Auszeit vom lauten Alltag.
Mit dem Ruhepol Centralkino greift Hörstadt auf Vorschlag des Wiener Stadtforschers und Akustikhistorikers Peter Payer eine Idee des frühen zwanzigsten Jahrhunderts auf. Schon vor fast hundert Jahren verwirklichte der Arzt R. Sommer in Dresden eine Ruhehalle, die von den BesucherInnen der Hygiene-Ausstellung rege frequentiert wurde.
Das historische Vorbild der öffentlichen Ruhehalle wollte vor allem beruhigend auf die durch zunehmenden Lärm und Beschleunigung des Alltags „nervös“ gewordenen und überreizten Großstädter einwirken. Auch Hörstadt ist daran gelegen, dem Gehör im urbanen Raum einen Freiraum zu öffnen und das akustische Elementarereignis Stille in einem nicht-religiösen Zusammenhang erlebbar zu machen.
Der Schauplatz ist ein Ort mit wechselvoller Geschichte: Die Hausnummer Landstraße 36 bezeichnete einst das Hotel Schiff, in dem sich während des Bürgerkriegs im Februar 1934 austrofaschistische Staatsgewalt und republikanisch e Widerstandskämpfer blutige Feuergefechte lieferten. Später beherbergte der Gebäudekomplex neben der Landeszentrale der SPÖ Oberösterreich das Centralkino, das für Generationen von Linzer FilmliebhaberInnen cineastische Begegnungsstätte war und dem innerstädtischen Kinosterben bis nach 2000 trotzte.
Die architektonischen Maßnahmen von Roland Gnaiger, Richard Steger, Tobias Hagleitner, Wilhelm Gunar (Die Architektur/Kunstuniversität Linz) beschränken sich auf eine zurückhaltende Überarbeitung des Bestandes, eine Aneignung des vorgefundenen Raumes, die dessen sinnliche Qualitäten neu geordnet und erfahrbar gemacht haben.
Der Ruheraum selbst befindet sich im ehemaligen Kinosaal. Dessen seitliche Ausgänge zum Foyer wurden verschlossen. Stattdessen wird der Logengang des ursprünglichen Kinobaus reaktiviert und als Zugangsebene nutzbar gemacht. Die beiden Rundräume in den rückseitigen Ecken des Gebäudes wurden mit Noppenschaum in warmer Farbe eingekleidet und hell beleuchtet. So werden sie zu anziehenden Übergangsgelenken zwischen Foyer und Ruhesaal und dienen gleichzeitig als akustische Puffer.
Ruhepol Centralkino:
Landstrasse 36, 4020 Linz
Öffnungszeiten:
Samstag, 29. 11. 08 bis Samstag, 21.11.09 (No Music Day)
Dienstag bis Sonntag von 12:00 bis 21:00 Uhr
Montag geschlossen
Vorprojekt: Roland Gnaiger, Lotte Schreiber, Richard Steger und Studierende der Kunstuniversität Linz/die Architektur: Maciej Szymon Chmara, Simone Barbara Götze, Rupert Plasser, Cornelia Reithofer, Anna Maria Rosinke, Christine Zöchbauer
Organisation: Klemens Pilsl
Entwurf und Bauleitung: Richard Steger, Tobias Hagleitner, Gunar Wilhelm
Bauherr: Georg Oberhaidinger
Unterstützung: Christian Denkmaier, Jürgen Wöntner, Michael Lindner, Annemarie Obermüller, Gernot Dürrschmit, Philipp Olbeter, Peter Payer, Christan Diabl, Margit Greinöcker, Claudia Hutterer, Silke Mayr, Gerold Zeidler, Klemens Kreindl, Knis, Martina Berger, Anatol Bogendorfer, Marie Gahleitner, Alexandra Schulz, Florian Sedmak, Elke Wagner
Ruhepol ist ein Projekt von Hörstadt und Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas
Konzeption Hörstadt: Peter Androsch

