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Die Chronik der Kampagne

Tally Wejl ist Zwangsbeschaller 2009

In Zusammenarbeit mit der GPA-djp fanden die anonym im Testkaufverfahren durchgeführten Schallpegelmessungen in ausgewählten Geschäften zur Ermittlung des Zwangsbeschallers 2009 in allen österreichischen Landeshauptstädten statt. Wenige Tage vor dem Heiligen Abend übergaben GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian und Beschallungsfrei-Sprecher Peter Androsch die wenig schmeichelhafte Auszeichnung an eine der beiden in der Wiener Mariahilferstraße gelegene Filiale der internationalen Modekette Tally Weijl. Die ein von einem Nagel durchbohrtes Ohr symbolisierende Trophäe und eine Urkunde "verdiente" sich Tally Weijl durch Zwangsbeschallung mit Hintergrundmusik in einer Lautstärke bis 78 Dezibel.
Wie schon 2008 war auch die Prämiierung des Zwangsbeschallers 2009 von großem medialem Interesse begleitet.

Ganze Stadt, halber Lärm

Im April 2009 hat Hörstadt ein Team von ExpertInnen aus unterschiedlichen Disziplinen mit einer Grundlagenstudie zu einer wirksamen Lärmreduktion am Beispiel Linz beauftragt. Nach halbjähriger Forschungsarbeit von Raum- und Verkehrsplanern, Gemeindeforschern und Medizinern unter Federführung des Sachverständigenbüros TAS für technische Akustik steht fest: Es ist realistisch möglich, die Lärmbelastung im Zentrum von Linz um die Hälfte zu reduzieren.
Der Schlüssel dazu liegt in der Mobilität der Zukunft, die zugleich Grundlage einer bisher ungekannten Dimension städtischer Lebensqualität ist. Die ganze Stadt bei halbem Lärm in punkto Lebensqualität aufzuwerten, wird durch einen Wandel unserer Mobilität möglich. Öffentlicher und individueller Verkehr erfolgen durch Elektrofahrzeuge mit lärmarmen Reifen und einer einheitlichen Reisegeschwindigkeit von 30 km/h im Stadtkern.
Rund um das Stadtzentrum müssten an den Verbindungsstraßen zum Umland Logistikzentren für den Warentransport in die Stadt hinein enstehen. Sie fungieren zugleich als Umstiegsterminals für den klassischen Autoverkehr. Voraussetzung für die Halbierung des in allererster Linie von Autos verursachten Umgebungslärms ist die flächendeckende Umstellung des innerstädtischen Verkehrs auf Elektrofahrzeuge.
Grundlage für die Studie sind aktuelle Verkehrs-, Lärmbelastungs- und Luftqualitätsdaten von Linz. Neben TAS waren das Institut Retzl (Bereich Gemeindeforschung), AXIS (Verkehrsplanung), TOPOS III (Stadt- und Raumplanung) und Dr. Thomas Edtstadler (Humanmedizin) an der Erstellung der Studie "Urban Vision Linz – Ganze Stadt, halber Lärm".

Akustische Kriterien im Arbeitsgesundheitsmonitor

Mit dem Arbeitsgesundheitsmonitor hat die Arbeiterkammer neben dem Arbeitsklimaindex ein neues Instrument geschaffen, um die Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz darzustellen. Für den Monitor werden insgesamt 4.000 ausführliche Interviews mit unselbstständig Beschäftigten quer durch alle Branchen geführt. Der Arbeitsgesundheitsmonitor bezieht dank der Zusammenarbeit von AK mit Hörstadt dabei erstmals auch akustische Kriterien ein.
Das am 9. Dezember 2009 präsentierte Ergebnis: 63 Prozent der Befragten sind an ihrem Arbeitsplatz Lärm ausgesetzt; 17 Prozent der Betroffenen fühlen sich dadurch "sehr stark" bzw. "stark" belastet. ArbeitnehmerInnen in der Privatwirtschaft sind am häufigsten einer Dauerbeschallung ausgesetzt. Besonders betroffen sind Menschen in den Branchen Transportwirtschaft, Industrie und Gewerbe sowie im Handel.
Ruhepol Centralkino schließt nach über 28.000 Besuchen

Wie geplant, schließt der im Kulturhauptstadtjahr zur Institution gewordene Ruhepol Centralkino am 21. November 2009 – dem No Music Day – um 21.00 Uhr seine Schiebetür im Innenhof des Hauses Landstraße 36 für immer. Über 28.000 BesucherInnen strömen in den genau 51 Wochen seines Bestehens in die öffentliche Ruhezone und belegen damit nachdrücklich, wie groß der Bedarf an allgemein zugänglichen Rückzugsmöglichkeiten ist.
Im letzten Monat seines Bestehens fungiert der Ruhepol Centralkino auch als TrauerZeitRaum. Drei Wochen lang finden Menschen, die Kinder und andere engste Angehörige verloren haben, einen Raum für ihre von der Gesellschaft vielfach ungern gesehene oder tabuisierte Trauer. Die Selbsthilfegruppe Trauernde Eltern und Geschwister Linz legt ein großes Trauerbuch zum Festhalten von Wünschen, Gedanken und Gefühlen auf und steht Trauernden professionell im Gespräch zur Verfügung.

No Music Day 2009 mit Bill Drummond

Begleitet von einem großen internationalen und nationalen Medienecho geht der No Music Day 2009 am 21. November in Linz über die Bühne. Für den britischen Künstler und Musiker ist es der erfolgreichste der seit 2005 stattgefundenen Tage ohne Musik, und zugleich gemäß eines 2005 gefassten Fünfjahresplans der letzte, den Drummond selbst propagiert.
Tatsächlich macht sich der Musikfasttag an diesem spätherbstlichen Samstag in Linz bemerkbar: Das Gros der Linzer Kulturhäuser vom Brucknerhaus über den Posthof bis zum AEC – das dafür sogar auf seiner Leuchtfassade wirbt –, die meisten von der Linzer Kulturszene frequentierten Lokale sowie zahlreiche Handelsbetriebe beteiligen sich am Tag ohne Musik. Darunter alle Niederlassungen von Maximarkt in Oberösterreich, 122 oberösterreichische SPAR-Filialen, Hugo Boss, Diesel, Peek & Cloppenburg sowie viele andere mehr.
Radio FRO gestaltet sein Programm de ganzen Tag lang ohne Musik, Life Radio produziert zur Mittagszeit eine zweistündige musikfreie Sondersendung mit Beiträgen zum No Music Day.
Hörstadt selbst feiert den Tag mit Bill Drummond in der Solaris Bar im OK – Offenes Kulturhaus. Am Vorabend spielt DJ DSL ein umjubeltes Set, das um Punkt Mitternacht zu Ende geht, als Bill Drummond auf der Theke stehend den No Music Day eröffnet. Bei bester Stimmung vergnügt sich das ansonsten tanzwütige Publikum bis spätnachts ohne Beschallung.
24 Stunden wirft DJ Michael Fakesch die Plattenteller wieder an. Davor bewirtet Drummond die Solaris-Gäste mit selbstgekochter Suppe und erläutert in einer kurzen Rede, welche Erlebnisse und Ideen zum Konzept des alljährlichen musikfreien Tags geführt haben.

Vom Hören der Welt

Gemeinsam mit dem Wissensturm Linz bittet Hörstadt zu drei öffentlichen Gesprächen, in denen es aus unterschiedlichen Perspektiven um die Verankerung des Menschen in der Welt über seinen Hörsinn geht. Der Wiener Architekt und Klanggestalter Bernhard Leitner im Gespräch mit ORF OÖ-Kulturchefin Regina Patsch, R. Murray Schafer im Gespräch mit Thomas Edlinger (ORF) und No Music Day-Initiator Bill Drummond im Gespräch mit dem Musiker und Musikjournalisten Rainer Krispel sorgen für drei inspirierende Abende.
R. Murray Schafer zu Gast

Mit dem kanadischen Klangforscher, Komponisten, Autor und Hörlehrer Murray Schafer kommt auf Einladung von Hörstadt Anfang November 2009 einer der Begründer und von den 1960ern bis in die Gegenwarte einer Gallionsfiguren der Akustischen Ökologie schlechthin nach Linz.
Im Kepler Salon hält er einen begeistert aufgenommenen Workshop mit Anleitungen zum Hören und Geräuschemachen für angehende und bereits im Beruf stehende LehrerInnen und einen ebenso kurzweiligen Nachmittag mit rund 100 oberösterreichischen MusiklehrerInnen, gibt im öffentlichen Gespräch mit Thomas Edlinger (ORF) im Wissensturm im Rahmen der Reihe "Vom Hören der Welt" Auskunft zu seinem Werk und seiner Person und beschließt seinen überaus produktiven Aufenthalt mit einer Gastvorlesung an der Anton Bruckner Universität Linz und einigen Interviewterminen in Wien.
Lange Nacht der Forschung mit Peter Payer

Am 7. November 2009 beteiligt sich die Akustkion – Welt des Hörens erstmals an der Langen Nacht der Forschung und verlängert den Betrieb an diesem Samstag bis Mitternacht. Um 20.00 Uhr spricht der Wiener Stadtforscher und Historiker Peter Payer unter dem Titel "Die Stadt und der Lärm" über das Hören im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dabei rekonstruiert Payer die Ursprünge und Entwicklung der modernen Stadtklanglandschaften und geht auch ausführlich auf die Anti-Lärm-Bewegungen seit dem späten 19. Jahrhundert ein.
Nationalrat deklariert Parlament "beschallungsfrei"

Auf Inititative von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die mit Hörstadt seit ihrem sommerlichen Besuch im Akustikon vertraut ist, erklärt der Nationalrat zum Nationalfeiertag am 26. Oktober 2009 das Parlament offiziell als "beschallungsfrei" und informiert darüber in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Peter Androsch.
Am Nationalfeiertag – im Parlament traditionell Tag der offenen Tür – informiert Hörstadt die tausenden BesucherInnen mit Foldern und anderem Hörstadt-Material über ihre Anliegen und Ziele.
Licht aus im Ruhepol Mariendom

Wie geplant geht die Saison im Ruhepol Mariendom am 26. Oktober nach fünf Monaten mit der weit über den Erwartungen liegenden GesamtbesucherInnenzahl von über 14.000 zu Ende – für eine Verlängerung der Öffnungsdauer ist es in der nicht beheizbaren Turmhalle schon zu kalt.
Aller Voraussicht nach eröffnet der Ruhepol im Frühling 2010 seinen Betrieb wieder.
Der Schlusspunkt am 26. Oktober fällt mit der historisch einmaligen Aufführung von Bruckners "Te Deum" im Mariendom mit 1.000 SängerInnen zusammen, bei dem die tausenden BesucherInnen rund um den Dom mit dem Hörrohr auf Hörstadt aufmerksam gemacht werden. 
Florenz: Hörstadt-Ausstellung beim Festival della Creatività

Von 15. bis 18. Oktober folgt Hörstadt mit einem großformatigen Präsentationsbuch, einem italienisch und englisch gesprochenen Video in Endlosschleife und einem Meter langen metallenen Hörrohr der Einladung des Festival della Creatività, sich in Florenz vorzustellen. 2009 steht das Festival mit einem fast unüberschaubaren Ausstellungs-, Workshop- und Veranstaltungsangebot unter dem Motto "Stadt der Zukunft, Zukunft der Stadt".
Das Hörrohr bekommt von der Festivalleitung ob seiner ästhetischen Qualität einen Sonderplatz im Haupteingangsbereich des in einer alten Festung liegenden Festivalgeländes zugewiesen und gerät so ins Blickfeld jedes einzelnen der insgesamt 450.000 BesucherInnen.
Nach einer Hörstadt-Präsentation bei der Lärminitiative Konstanz unmittelbar vor dem Festivalbeginn in Florenz stellt Peter Androsch am letzten Festivalabend das Vorhaben unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit bei einer Podiumsdiskussion unter anderem mit Architekten und Stadtforschern vor.

Familienfreundliche Gemeinde, Arbeitsmedizinischer Kongress

Auf Einladung des Österreichischen Gemeindebundes spricht Peter Androsch im September bei der festlichen Veranstaltung anlässlich der Verleihung des Zertifikates "Familienfreundliche Gemeinde" und bringt dabei insbesondere die Linzer Charta und mögliche akustische Kriterien für die Beurteilung von Lebensqualität ins Spiel.
Wenig später steht auch die ebenfalls von Peter Androsch gehaltene Eröffnungsrede beim Kongress der österreichischen ArbeitsmedizinerInnen in Linz im Zeichen von Hörstadt.

Sommer: Hören mit Andres Bosshard

10 von Andres Bosshard persönlich geführte Hörspaziergänge entlang der von ihm ausgewählten Horchmälern und die von ihm mit seinem Linzer Freund und Künstlerkollegen Gerd Thaller eingerichtete Klangbaustelle dominieren das Sommerprogramm von Hörstadt.
Lauffeuerartig verbreitet sich die Nachricht, wie vergnüglich und überraschend es Bosshard versteht, seinen MitspaziergängerInnen die Ohren für den Stadtklang und die akustischen Besonderheiten von Linz zu öffnen. Bald sind alle Führungen restlos ausverkauft.
Mit der Stadtklangbaustelle wagen sich Bosshard und Thaller an einen der verlärmtesten und auch sonst nicht gerade anziehendsten Punkt der Innenstadt: einen unscheinbaren Flecken Grün zwischen Nibelungenbrücke, Durchzugsstraße, Donauufer und Museumsvorplatz. Eine raffinierte Lautsprecheranordnung bis hinauf in die Krone eines stattlichen Baumes und eine subtile Bespielung mit verschiedensten Klängen ringt dem Unort eine neue Hörqualität ab und transformiert das Verkehrsbrausen.
Erlangen tritt der Linzer Charta bei

Als erste Stadt macht sich das deutsche Erlangen die in der Linzer Charta formulierten Ziele und Werte für akustische Lebensqualität in der Stadt zu eigen und beschließt am 21. Juli 2009 die Charta im Umweltausschuss.
FrauenHolzbauForum Meran

Im Juni spricht Hörstadt-Initiator Peter Androsch vor 130 weiblichen Führungskräften aus der Bauwirtschaft im deutschen Sprachraum über die Zusammenhänge von Architektur, Bauwesen und Akustik.

Hörstadt bei der Kidsparade

Die Kidsparade in Linz ist Österreichs größte Veranstaltung zum Thema Kinderrechte. Hörstadt ist im Linzer Volksgarten mit einer bestens besuchten Station vertreten, bei der Hörrohre aus Karton ausgeschnitten und gefaltet werden können.

Akustikon eröffnet

Im Beisein der Linzer SpitzenpolitikerInnen eröffnet am 27. Juni 2009 das Akustikon in ehemals vom Kultur- und Schulamt genutzten Räumlichkeiten im Rathausgeviert. Damit bekommt Hörstadt ein räumliches Zentrum, das über 2009 hinausals  Ankerpunkt aller Hörstadt-Aktivitäten dient.
So wie die Ruhepole stößt auch die Welt des Hörens sofort auf großes Interesse, das die Kapazitäten des Führungs- und Vermittlungspersonals vom ersten Öffnungstag an voll auslastet.
Zahlreiche internationale Delegationen und prominente BesucherInnen wie die Bundesminister Claudia Schmied und Alois Stöger sowie Nationalratspräsidentin Barbara Prammer besuchen das Haus in der Eröffnungsphase.
Ab September bietet das Akustikon zwei Vermittlungsprogramme für Kinder und trägt im Oktober mit großem Erfolg zur Langen Nacht der Museen bei.

Hörstadt-Führungen

Von Juni bis Ende Oktober bieten staatlich geprüfte AustriaGuides jeden Donnerstag eine Hörstadt-Führung. Die Route erstreckt sich von den Ruhepolen über einige der von Andres Bosshard ausgewählten Hörenswürdigkeiten bis zum Akustikon.
Für Interessierte, die Hörstadt auf eigene Faust erkunden wollen, wird ein detaillierter HörStadtPlan aufgelegt.
Ruhepol Lentos

Auch das populäre LinzFest bekommt seinen eigenen Ruhepol: Im Auditorium des Lentos Kunstmuseum Linz richtet Hörstadt in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter LinzKultur während der drei Festivaltage den Ruhepol Lentos ein, der von zahlreichen BesucherInnen des dichten Kulturprogramms im Freigelände am Linzer Donauufer zur Entspannung und Sammlung genutzt und aufgesucht wird.
Hörstadt-Themen bei McDonald's

Auf Angebot der McDonald's-Franchisenehmer in Linz kann Hörstadt viermal je eine Kalenderwoche lang das aktuell bei McDonald's mit jedem Tablett ausgegebene Tablettsetpapier gestalten und so jeweils in 100.000er-Auflage auf Termine und Anliegen der Kampagne aufmerksam machen: Die Eröffnung des Akustikon, den Beginn der "Circus"-Programme der Musikabteilung von Linz09, Tipps zur Erhaltung der Hörgesundheit vor allem von Kindern und Jugendlichen sowie den No Music Day.
LinzLinien fahren beschallungsfrei

Die LinzLinien verzichten von jeher auf Hintergrundmusik in ihren Bussen und Straßenbahnen. Seit Ende Mai 2009 weist der größte öffentliche Verkehrsdienstleister der Stadt mit Plakaten in seinen Verkehrsmitteln auf die Beschallungsfreiheit hin und unterstützt so aktiv die Linzer Charta.
NEWS mit Beschallungsfrei-Aufklebern

In Zusammenarbeit mit Hörstadt bringt das wöchentlich erscheinende österreichische Nachrichtenmagazin News in der Ausgabe vom 4. Juni insgesamt 250.000 Beschallungsfrei-Aufkleber in Umlauf und berichtet über die Hintergründe und Anliegen von Beschallungsfrei – Die Kampagne gegen Hintergrundmusik.
Zweiter Ruhepol im Mariendom ab 21. Mai 09

Zu Christi Himmelfahrt, dem 21. Mai 09, öffnet sich in Österreichs größter Kirche, dem Mariendom, eine bisher verschlossene Tür: Die bisher nicht zugängliche Rudigierhalle im Turm wird zum Ruhepol Mariendom – dem einzigen Raum, aus dem das riesige Rosettenfenster von innen sichtbar ist.
Täglich von Dienstag bis Sonntag jeweils 12.00 bis 19.00 Uhr geöffnet, bietet der zweite Hörstadt-Ruhepol dank einer Lichtinstallation von Rainer Jessl nicht nur akustisch ein intensives Erlebnis.
Mittwoch, 29. April ist der Tag gegen Lärm 2009

Der im deutschen Sprachraum als „Tag gegen Lärm“ bekannte International Noise Awareness Day lenkt jedes Jahr am 29. April die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Lebensqualitätszerstörer Nummer 1: den Lärm. Als symbolische Geste soll an diesem Tag von 14.15 bis 14.16 Uhr eine Minute lang jeglicher Lärm vermieden werden.
Hörstadt begeht den Tag gegen Lärm 2009 am Mittwoch, 29.4. in Linz mit einem umfangreichen Programm: Kostenlosen Hörtests im Ruhepol Centralkino in der Landstraße 36 ab 12.00 Uhr und der frei zugänglichen Buchpräsentation „Hörstadt. Reiseführer durch die Welt des Hörens“ von Peter Androsch und Florian Sedmak mit Starkolumnist Hans Rauscher um 19.00 Uhr ebenfalls im Ruhepol Centralkino.
Zu guter letzt fällt am TGL der Startschuss für die visionäre Stadtplanungsstudie „Ganze Stadt – halber Lärm“: Welche Weichen müssten gestellt werden, um in einem Zeitraum von 10 Jahren eine Halbierung der Lärmbelastung zu erreichen? Am Beispiel Linz erarbeiten ExpertInnen aus den Fachbereichen Schalltechnik und Luftschadstoffe (TAS SV-GmbH), Mobilität (AXIS GmbH), Raumplanung (TOPOS III), Gemeindeforschung (Institut Retzl GmbH) und Umweltmedizin (Dr. Thomas Edtstadler) die dafür notwendigen Grundlagen und Maßnahmen.
SPAR in Linz beschallungsfrei

In den Linzer SPAR-Märkten von Urfahr bis zur SolarCity endet die akustische Berieselung. In insgesamt 18 seiner Filialen im Großraum Linz verzichtet das Handelsunternehmen bis Ende 2009 auf die Beschallung seiner KundInnen und MitarbeiterInnen mit Hintergrundmusik.
„Wir haben die Zusammenarbeit mit Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas gesucht“, erklärt SPAR-Direktor Jakob Leitner, „Durch den Verzicht auf Hintergrundmusik Ruhe zu schaffen und ein auch akustisch entspannteres Einkaufserlebnis zu bieten ist eine für uns besonders sympathische Art der Beteiligung.“
Peter Androsch freut sich: „Mit SPAR begrüßen wir in der Reihe der beschallungsfreien Unternehmen das erste, das bewusst den Schritt von der Hintergrundmusik zur Beschallungsfreiheit und damit ein schönes akustisches Zeichen setzt.“
Das Aus fürs Einkaufsradio kommt 2009 im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres in den SPAR-Märkten am Bahnhof und in der Landstraße, in Kleinmünchen, in den beiden Filialen am Froschberg sowie am Gründberg, in der Friedhofstraße, Derfflingerstraße, Freistädter Straße, Stieglbauernstraße, Wildbergstraße, Wiener Straße und Holzstraße; weiters in Oed, Puchenau, Dornach, Magdalena und in der SolarCity.
Akustisches Manifest erscheint in Le Figaro

Am 20. Februar 1909 veröffentlichte Filippo Tommaso Marinetti auf der Titelseite von Le Figaro das Futuristische Manifest. Die aggressive Lobeshymne auf Krieg, Lärm und blindwütigen Fortschritt erwies sich im Nachhinein als eine der intellektuellen Grundlagen und Vorbote des Faschismus – nicht umsonst avancierte Marinetti zum Kulturminister des Mussolini-Regimes.
100 Jahre später ist es eine traurige Tatsache, dass die Menschheit an allem leidet, was Marinettials als herrlich imaginierte. Hörstadt nimmt das 100jährige Jubiläum des Futuristischen Manifests als eines der zentralen Dokumente der europäischen Geistesgeschichte zum Anlass, mit dem Akustischen Manifest zu antworten.
Es erscheint auf den Tag genau hundert Jahre nach Marinettis Text am 20. Februar 2009 am Originalschauplatz Le Figaro.
„Hier ist radikal zusammengefaßt, was Hörstadt ausmacht: FÜR eine Politisierung des akustischen Raums, GEGEN die permanente Entwürdigung und Manipulation des Menschen durch Zwangsbeschallung, die akustische Bewusstlosigkeit von Architektur, Raum- und Stadtplanung sowie die Verlärmung unserer Welt", sagt Autor Peter Androsch. Außer in Le Figaro erscheint das Akustische Manifest in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie in Der Standard.
Linzer Charta beschlossen

Am 22. Jänner 2009 hat der Gemeinderat der Stadt Linz in seiner ersten Sitzung im Kulturhauptstadtjahr die vom Stadtsenat eingebrachte und von Bürgermeister Franz Dobusch vorgestellte Linzer Charta zur Stadtentwicklung und Stadtgestaltung in akustischem Sinne einstimmig beschlossen.
„Mit der Linzer Charta betritt die Stadt Linz einmal mehr Neuland“, kommentierte Bürgermeister Franz Dobusch den Beschluss des Stadtparlaments. „Wie die legendäre erste Linzer Klangwolke und die erste Ausgabe der Ars Electronica hat die Charta das Zeug dazu, Grundstein für eine langfristige Entwicklung unserer Stadt zu sein – eine Entwicklung in Richtung einer akustischen Modellstadt Europas.“
Zahl beschallungsfreier Unternehmen steigt

Stetig wächst die Zahl jener Unternehmen, die sich per Beschallungsfrei-Aufkleber bewusst als "Zone ohne Hintegrundmusik" deklarieren. Jüngst hinzugekommen sind die BBRZ-Gruppe Linz, zu der u.a. das Berufsförderungsinstitut BFI zählt, die renommierte Wiener Kaffeekonditoreikette Aida, die Innviertler Stadt Altheim und die oberösterreichischen Filialen der BAWAG.
Auch Linz09 geht selbst mit gutem Beispiel voran und hat den zentralen Infopoint am Hauptplatz ebenso wie den Keplersalon und den Kinderpunkt09 als beschallungsfrei ausgewiesen.
Beschallungsfrei kürt Zwangsbeschaller 2008

Die Linzer Filiale Landstraße 28 der auf junges Publikum zugeschnittenen Modekette Pimkie darf sich mit dem wenig schmeichelhaften Etikett „Zwangsbeschaller des Jahres 2008“ schmücken. Der Kür waren professionelle Schallmessungen in Geschäften und Einkaufspassagen in der Linzer Innenstadt, im Haidcenter, im Uno-Shopping und in der Plus City vorausgegangen.
Bei Pimkie maßen die Tester Spitzenwerte von 87 Dezibel und einen durchschnittlichen Lautstärkepegel von 77 Dezibel. Selbst der niedrigste gemessene Wert betrug nicht weniger als 72 Dezibel. „Das sind Werte, die schon arbeitsmedizinisch relevant sind“, sagt Kampagnensprecher Peter Androsch. „Ab einer Belastung von 80 Dezibel hat ein Betrieb laut Bundesgesetz zum Arbeiternehmerschutz für seine Mitarbeitenden Gehörschutz bereit zu halten, der von 85 Dezibel aufwärts auch zwingend getragen werden muss.“
Die Auszeichnung wurde in Form einer Urkunde und einer Trophäe – dem Beschallungsfrei-Logo mit einem großen Nagel im symbolisierten Ohr – wurde der verdutzten Geschäftsführung am 19. Dezember 08 von Peter Androsch überreicht.

Rote Karte gegen Zwangsbeschallung verteilt

Seit dem ersten Einkaufsamstag im Advent 2008, dem 29. November, kursiert die Rote Karte gegen Zwangsbeschallung. Wer sie Personal oder Geschäftsführung in Betrieben mit störender Hintergrundmusik in die Hand drückt, bringt sein Missfallen mit starker Geste wirkungsvoll zum Ausdruck. In einer von Rundfunk und Fernsehen begleiteten Aktion verteilten AktivistInnen von Hörstadt, Gewerkschaften und Kirchen die Roten Karten an Handelsangestellte und KonsumentInnen. Verteilt wurde in der Linzer Innenstadt, im Haidcenter und in der Plus City am Stadtrand sowie in Graz – und viele von permanenter Beschallung Genervte freuten sich.

Ruhepol Centralkino eröffnet

Das ehemalige Centralkino im Haus Landstraße 36 öffnet am 29. November 2008 wieder seine Türen und steht nach Umgestaltung durch die Architekten Tobias Hagleitner, Richard Steger und Gunnar Wilhelm von der Kunstuniversität Linz/die architektur der Öffentlichkeit ein Jahr lang als frei zugänglicher Ruheraum zur Verfügung. Die an sechs Tagen der Woche von 12.00 bis 21.00 geöffnete Ruhezone stößt auf großes Interesse und zieht im Schnitt täglich um die 100 Ruhe suchende Gäste an.
Oktober 2008: Beschallungsfrei startet

In einer gemeinsamen und außergewöhnlich gut besuchten Pressekonferenz in Linz präsentieren die Kampagnenträger Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas, Katholische Kirche in Oberösterreich, Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp und Österreichischer Gewerkschaftsbund ÖGB neben deb Ziele und Forderungen von Beschallungsfrei – Die Kampagne gegen Zwangsbeschallung auch die ersten Organisationen, Betriebe und Körperschaften, die sich selbst per Aufkleber als "beschallungsfrei" deklarieren.
Dazu zählen die Stadt Linz, das Land Oberösterreich, die Bank Austria, die Arbeiterkammer OÖ, zahlreiche Linzer Beherbungsbetriebe u.v.a.m.
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